Zimmer Theater Steglitz

Jahres-Abschied-Mix
Gastauftritt – mit anderen Künstlern / Leitung Günter Rüdiger
> Zimmer Theater Steglitz
Bornstraße 17, 12163 Berlin, Tel.: (030)25 05 80 78
U-Bahnhof Walther-Schreiber-Platz / U 9
Eintritt: 15,00 Euro / ermäßigt 9,00 Euro

30.Lesung: Zeit im Sand

Kay Fischer liest aus “Zeit im Sand” … ERSTMALS IM ZIMMER THEATER STEGLITZ !
> Z i m m e r  T h e a t e r  S t e g l i t z
Bornstraße 17, 12163 Berlin, Tel.: (030) 25 05 80 78
U-Bahnhof Walther-Schreiber-Platz / U 9 + S-Bahnhof Feuerbachstraße / S 1
Eintritt: 15,00 Euro / ermäßigt 9,00 Euro

Der Krokus

Ein Krokus fühlte sich sehr klein,
doch da war er nicht allein.
Denn auf der großen, grünen Wiese
hatten alle diese Krise.

Plötzlich kam ein Fotograf,
legte die Kamera ganz brav
auf den Boden, klickt famos,
so wurd’ der Krokus wieder groß!

Es ist also, dass ich nicht lache,
für jeden eine Ansichtssache.
Ein Käfer sieht sie wie Elefanten
und sagt viel lieber: Krokofanten.

© Kay Fischer 2016 

Ein Schwan im Park

Zu dieser Zeit, vor einem Jahr,
wurd’ sie von uns gesehen.
Sie war schneeweiß und wunderbar,
um uns war es geschehen.

Sie hat den ganzen Park entzückt,
die jungen und die alten.
Nach vierzig Jahr’n war es geglückt,
wir wollten sie behalten.

Weißer Flaum und Löwenzahn,
bei Regen, Wind und Sonne.
Enten, Küken und ein Schwan,
die Ruhe war die Wonne.

Frühling, Sommer – bis Oktober,
schwamm sie in unserem Teich.
Dann nahm sie jemand in den Schuber,
fortan war alles gleich.

Schwänin Rosie, danke dir
für diese schönen Tage.
Du bist schon lange nicht mehr hier,
auf dass ich es ertrage …

Du lebst am Wannsee, irgendwo,
uns trennt wohl nur ein Hügel?
Wir hoffen, du bist immer froh,
denk’ dran, du hast ja Flügel …

© Kay Fischer 2016 

Ein Vampir spielt Klavier

Ein Vampir
spielt Klavier,
hier in Trier,
als wär’s ne Zier.

Er hat’s Papier
im Visier,
Noten hier
auf dem Spalier.

Doch um vier
trinkt er ein Bier.
Niemand kapier,
warum hier?

Ist das schier
eine Gier,
dass er das Bier
mal eb’n probier?

Ein Fakir
sich interessier
für den Vampir
und isolier
das Elixier:

Wer schnabulier,
bald randalier,
wird Passagier
im Knast-Revier!

Der Vampir
das tolerier
und akzeptier
er spielt Klavier
halt ohne Bier!

Doch der Fakir
nicht fantasier,
er trinkt das Bier!
Was jetzt passier?

Ein Barbier
sich interessier
und isolier
das Elixier.

Doch der Barbier
schnell resümier,
was resultier:
Es ist kein Bier …
… mehr hier!
Um vier!

Doch der Vampir
das ignorier,
sich konzentrier,
und spielt Klavier,
bis weit nach vier;
was ich hier
mal eb’n notier.

Hat das jeder jetzt kapier?

© Kay Fischer 2015

Die Welle

Ne Welle schwamm nach Sansibar
sie fand es da ganz wunderbar.
Dann schwamm sie zu dem Nordpol bald –
doch da war es ihr zu kalt!

Europa war ihr nächstes Ziel
sie versprach sich davon viel,
doch ihr kam’s dort spanisch vor –
also gings nach Equador.

Doch sie reiste stets alleine
diese Welle, diese eine.
Also kam sie angeschlichen
um sich zu verehelichen.

Petrus daher schnell entschlossen
eine zweite Well’ gegossen.
Er schwappte sie ins Meer hinein –
nun war die Welle schon zu zwei’n.

Irgendwann, so konnt’ man lesen
waren es dann drei gewesen.
Viere, fünfe – bald schon zehn
konnte man im Meere seh’n!

Sie vermehrten sich wie Hasen
um dann über’s Meer zu rasen!
Bald schon hatte jede Welle
an jeder Stelle eine Delle!

Alles tobte kreuz und quer
durch das aufgewühlte Meer.
“Petrus, iss mal ‘ne Salami!”
“Geht nicht! Draußen wütet ein Tsunami!
Ach hätte ich das bloß gelassen,
immer diese Wassermassen!”

Petrus sprach: “Jetzt macht mal Pause
mit der riesengroßen Sause!”
Schließlich wurd’n die Wellen müde –
was für eine Attitüde …

Petrus sprach: “Jetzt geht beiseite!”
Und die Well’n suchten das Weite.
Petrus sprach: “Das find ich gut.
Das heißt ab jetzt ‘Ebbe und Flut’!”

© Kay Fischer 2013

Der Elefant

Aus Rüsselsheim, das ist bekannt,
kam der allererste Elefant.
Doch mit vier Beinen und zwei Ohr’
kam er sich doch recht seltsam vor.
Und dieser Rüssel im Gesicht,
ihn dort zu tragen schien wohl Pflicht?
Und außerdem, ja das ist Fakt:
War er zudem noch splitternackt!

So ging er dann zum Bürgermeister
von Rüsselsheim – oh Gott, wie heißt er?
Den Namen hat er längst vergessen,
sein Tag bestand ja nur aus Fressen!
Doch egal, jetzt war er da
beim Bürgermeister ‘Großpapa’,
um ihn zu fragen, was ihn geritten
und nach welchen guten Sitten
man so auszusehen habe,
es sei doch wirklich keine Gabe,
dieser Rüssel im Gesicht –
nein, das ging nun wirklich nicht.

Doch der Typ, der vor ihm saß
gerade seine Zeitung las.
Und als er diese schließlich senkte,
jetzt endlich Aufmerksamkeit schenkte –
da sah der Elefant im nu:
Vor ihm saß ein M a r a b u!

Dieser Vogel – Schreck, oh Graus –
sah ja furchtbar häßlich aus:
Langer Schnabel, kahle Stirn,
hier und da ein Haar wie Zwirn,
lange Beine, Augen klein …
das soll der Bürgermeister sein?

Da ging der Elefant nach Haus.
Er sah doch ganz passabel aus.
Denn auf irgendeine Weise
hat schließlich jeder (Körper) eine Meise …

© Kay Fischer 2011