Zeit im Sand – Leseprobe

Jeden Tag, jede Stunde und vor allem, wenn jemand von uns gegangen ist, fühlen wir ganz deutlich, daß unsere Zeit begrenzt ist. Dann, nach einiger Zeit, vergessen wir diesen Umstand, wir leben unseren Alltag und tun alles, um die Stunden entweder schnell hinter uns zu bringen, oder wir versuchen, sie auszudehnen, etwas hinauszuzögern. Natürlich ist das alles Augenwischerei. Nicht die Zeit, sondern unsere Wahrnehmung und unsere Empfindung verändern wir — und genau an diesem Punkt stelle ich mir oft die Frage: Welche Empfindung entspricht der realistischen Spanne zwischen Anfang und Ende? Sicher keine einfache Frage. Natürlich, manch einer von Ihnen wird jetzt den Kopf schütteln und diese Frage möglicherweise als überflüssig bezeichnen. Aber das glaube ich Ihnen nicht. Sonst hätten Sie sich doch nicht dieses Buch zur Hand genommen, wenn da nicht ein Funken von Verständnis und Interesse wäre.

Lebt ein Hamster kürzer als ein Elefant? Meinen Sie wirklich? Warum werden manche Schildkröten über hundertdreißig Jahre alt? Warum fließt die Zeit vorwärts? Kann man Zeit manipulieren? Was haben Inseln und Ruinen mit Zeit gemeinsam? Und was ist eine Datumsgrenze?

Dieses Buch enthält fünfundzwanzig belletristische Kapitel, die eine Vielzahl von Möglichkeiten bieten, ein Gefühl für Zeit und Vergänglichkeit zu bekommen. Nun könnte man meinen, daß dazu eigentlich alles schon einmal erzählt und aufgeschrieben wurde, daß es gerade zu diesem Thema ein reichliches Angebot gibt. Aber das ist ein Irrtum. Da die Zeit ständig weiterfließt und damit Weiterentwicklungen einhergehen, entdecken wir immer wieder etwas Neues, worüber noch niemand berichtet hat, und so dürfen wir gespannt unserer Zukunft entgegensehen. Die Geschichten in diesem Buch sind ein bißchen anders als die Storys, die Sie vermutlich bisher gelesen haben. Sie sind unterschiedlich lang, werden aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt, jede Geschichte steht für sich allein und bildet trotzdem mit den anderen ein dichtes Netz rund um das Thema Zeit. Sicher ist das ganze ein schwieriges Projekt. Das Thema ist derart kompliziert und vielseitig, daß es schwer auf ein paar Buchseiten paßt. Es ist darüber hinaus keineswegs nur ein trauriger, sondern auch ein spannender, interessanter und zuweilen lustiger Stoff. Schließlich soll diese Lektüre unterhalten, aufklären, nicht zu einfach, aber auch nicht zu schwierig sein.

Naturgemäß haben alle Menschen irgendwann einen Punkt erreicht, an dem sie gut und gerne etwas über ihr Leben und ihre Erfahrungen, eben über ihre vergangene Zeit erzählen können. Das Leben bietet unzählige Beispiele. Oft liest man von dramatischen Erlebnissen in lebensbedrohlichen Situationen, von Zufällen oder auch von dahinplätschern den Jahren zusammenlebender Generationen. Sollte ich eines Tages sehr alt sein und einen weißen Rauschebart tragen, werde ich vermutlich die eine oder andere Geschichte
ganz anders bewerten und mich fragen, ob ich das Buch später hätte schreiben sollen. Das ist vermutlich unvermeidbar und wohl auch ein Geheimnis der Zeit. Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse, die Sichtweisen ändern sich und es scheint offenbar ein Naturgesetz zu sein, daß wir mit unserem sehr leistungsfähigen Gehirn paradoxerweise an die engen Grenzen unseres Verstandes stoßen und uns somit oft im Kreis bewegen. Der Mensch, der aus heutiger Sicht erst in den letzten Atemzügen der Erdgeschichte geboren wurde, erfindet zwar immer wieder Verblüffendes, und im Rückblick wird klar, daß sich tatsächlich vieles verändert hat und vermutlich noch verändern wird, doch bleibt einiges einfach unerklärbar.

Haben Sie eigentlich während dieser Zeilen auf die Uhr geschaut? Nein? Ein guter Anfang …
Viel Spaß beim Lesen! 


PS: Die im Buch mit eigenen Worten frei wiedergegebene Episode “… ich habe dich getragen” lehnt sich nach aktuellem Stand an ein Gedicht von Margaret Fishback-Powers an.
Zum Veröffentlichungszeitpunkt von “Zeit im Sand” war die Urheberschaft jedoch ungeklärt / unbekannt bzw. wurde der Inhalt als freies Volksgut, das von mehreren Generationen mündlich weitervermittelt wurde, verstanden.

Zeit im Sand – Hintergrund

Als ich im Alter von 36 Jahren “Zeit im Sand” präsentierte, fragten mich manche, wie man sich schon mit so relativ jungen Jahren mit “Zeit und Vergänglichkeit” beschäftigen könne. Das war 2006. Jahre danach fragte ich mich das schließlich auch  …  aber das Buch zu schreiben hatte seinerzeit seinen Grund. Letztendlich meine ich, daß man nicht früh genug damit anfangen kann, sich damit auseinanderzusetzen.

Zeit ist nicht nur ein ernstes Thema, sondern vor allem auch ein interessantes! Mich faszinierte die Vorstellung, daß es etwas Unbestechliches gibt, dem wirklich alle unterliegen. Oder etwa nicht? Gibt es Ausnahmen? Kann man Zeit doch manipulieren? Oder leben wir womöglich heute schon im Paradies?

Daß auf den Abschieden des Lebens auch immer wieder ein Neubeginn folgt, hört und liest man oft, aber man zwängt sich diesen Gedanken mehr ein als daß man ihn glaubt – geschweige denn versteht. So war es mein Ziel, nicht nur verschiedene Blickwinkel und Fakten in verschieden Erzählformen einzuarbeiten, sondern auch selbst Erlebtes mit einfließen zu lassen.

Aufgrund der Vielschichtigkeit entschied ich mich für 25 Kapitel. Ich bezeichnete diese als “belletristisch”, was mit Abstand betrachtet nicht ganz stimmt: Viele sagen, ich hätte ein ‘erzählendes Sachbuch’ geschrieben und es sei mein anspruchvollstes Buch. Das ist teilweise richtig. Jede Geschichte ist ein bißchen anders, die eine mehr, die andere weniger schwer. Zweieinhalb Jahre haben schließlich die Arbeiten gedauert.

>> Der Erfolg gibt dem Buch recht: “Zeit im Sand” wird auch heute noch
im In- und sogar im Ausland gekauft!
Lesen Sie bitte auch die Rezension von Hans Renz, MARKUSBLATT vom
Februar 2007 im Pressecho sowie die Borkumer Zeitung vom Juli 2012 . 

Eine Leseprobe ist hier nur für das Vorwort vorhanden. In der Hörprobe gewinnen Sie einen Eindruck über die Titelgeschichte (Auszug “Zeit im Sand”).
Zudem gibt es ein Inhaltsverzeichnis mit Anmerkungen > “Kleine Auswahl”…

Wer möchte, kann sich auch über die Google-Buchsuche oder über Amazon einen Überblick verschaffen.


Im dänischen Deutsch-Schulbuch “Ein neuer Anfang” (Verlag L & R Uddannelse, Lindhardt
og 
Ringhof, Kopenhagen, ISBN 978 877 066 5193 von 2013) ist ein Auszug von “Helden der Zeit” (aus “Zeit im Sand”) abgedruckt worden. Der Text findet sich dort auf den Seiten 64 – 65 / 66 und beinhaltet auch Übungen. Weitere Themen im Buch sind Goethe, Tucholsky, Ende, Grass und andere Autoren/innen wie Hein, Potente und Scheerer.

“Zeit im Sand” war offizieller Teilnehmer am “BoD AutorenAward 2007”. Von den ca. 3.000 Buchveröffentlichungen kamen 50 in die engere Wahl, die Jury nominierte “Zeit im Sand” für die ersten zehn Plätze!